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1. Sonntag nach Ostern

Eine Ansprache von Pfarrer Theo Müller zum heutigen Sonntag...

Liebe Gemeinde,

jede und jeder von uns sehnt sich auf ganz eigene Weise nach einer Rückkehr zur Normalität. Derzeit leben die meisten von uns einen Alltag jenseits dessen, was normalerweise ihren Tag ausfüllt. Gefangen im normalen Trott kann uns Alltägliches zur Last werden. Aber ganz ohne den alltäglichen, vertrauten, den eingespielten Tages- und Wochenrhythmus lebt es sich auch nicht gut. Ein Dasein jenseits der Normalität, ausgelöst durch einen schlimmen Schicksalsschlag, durch Lebensumbrüche oder wie jetzt durch eine Pandemie, verunsichert uns. Je länger die Ausnahme andauert, umso stärker wird der Wunsch, diesen Zustand zu durchbrechen und zur Normalität zurückzukehren.

In den Tagen nach Jesu Kreuzigung und Auferstehung leben auch die Freundinnen und Freunde Jesu in einer Ausnahmezeit. Sie sind verunsichert, sie sind gefangen in ihrer Trauer, sie haben sich in ihre Wohnungen und Häuser zurückgezogen. Johannes erzählt in seinem Evangelium: In dieser Situation sagt Petrus zu den anderen: „Ich gehe fischen! Und die anderen sagen: Wir kommen mit!“ Offensichtlich sind sie froh, dass einer es wagt, einen ersten behutsamen Schritt zurück in die Normalität zu gehen. Niemand kann auf Dauer im Stillstand verharren. Petrus traut sich, aus seiner Trauer, aus seiner Verunsicherung aufzustehen. Er traut sich das zu tun, was er normalerweise tut. Petrus ist Fischer. Mit der Fischerei sorgt er für das tägliche Brot auf dem Tisch seiner Familie. Er kann nicht auf Dauer seine Fürsorgepflicht vernachlässigen. In der Nacht bricht er mit den anderen auf. Die Arbeit der Fischer beginnt im Übergang von Nacht und Tag.

Der Übergang von der Ausnahmezeit in die Normalität ist ein gutes Stück Arbeit. Johannes erzählt: In jener Nacht blieben die Netze leer. Leere Netze -  sichtbares Zeichen vergeblicher Mühe. Das Dunkel der Nacht - es ist wie das Dunkel des Lebens. Es tut weh, mit leeren Händen nach Hause zu kommen.

Es tut weh, in die Gesichter jener zu schauen, die darauf gewartet haben, dass alles wieder gut und normal wird. Johannes lässt uns sehen, wie die Jünger, mit leeren Händen - mit leeren Herzen, sich dem Ufer nähern. Dort am Ufer werden sie gewahr:

Sie werden erwartet. Im Frühdunst steht eine Gestalt, ein Traum, eingetaucht in das Rot des beginnenden Tages. Die Schatten der Nacht beginnen zu weichen. Da am Ufer brennt ein wärmendes Feuer. Da ist Brot und der Duft von gebratenem Fisch. Da ist all das, was Menschenkinder zum Leben brauchen.

Im ersten Licht des Tages begegnet ihnen der auferstandene Christus. Er begegnet ihnen wie der Wind auf dem Weg nach Emmaus. Wie ein Lied, das hereindringt durch verschlossene Türen. Christus begegnet ihnen wie ein Mensch, der ihnen tröstend zuspricht: „Friede sei mit euch!“

Und dann sagt er behutsam, das Leid der leeren Hände verstehend: „Werft eure Netze noch einmal aus! Ihr werdet finden!“ Und sie werfen ihre Netze noch einmal aus. Und siehe, sie sind voller Fische. Sie sind so voll, dass die Netze sich kaum aus dem Wasser ziehen lassen. So, liebe Gemeinde, so ist Christus der Auferstandene für uns Menschenkinder da: Er füllt unsere leeren Hände. Er tröstet unsere verzagten Herzen. Er macht uns Mut zum Leben, wenn Enttäuschungen und Rückschläge  uns resignieren lassen. Gegen die scheinbare Sinnlosigkeit spricht der Auferstanden behutsam in uns hinein: „Werft eure Netze noch einmal aus! Ihr werdet finden, was zu gelingendem Leben nötig ist!“

Gebe Gott, dass auch wir erfahren, was Johannes von den Jüngern zu berichten weiß: „Und sie konnten das Netz wegen der vielen Fische nicht mehr ziehen.“ Friede sei mit euch! Denn Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien gesegnete Zeit! 
Ihr Pfarrer Theo Müller

Hinweis: Hier können Sie diese Andacht zum Ausdrucken als PDF herunterladen.